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 Heilandskirche Stuttgart
Adresse der Kirche/Lage
Sickstraße 37
70190 Stuttgart
GEO-Länge: 9.20421 - GEO-Breite: 48.790939

Gottesdienste
Sonntags: Gottesdienst 10.30 Uhr,
Öffnungszeiten
keine Angaben
Angebote in geöffneter Kirche
keine Angaben
Beschreibung
1912-1913 erbaut. Die Geschichte der Evang. Heilandskirche im Stuttgarter Osten ist untrennbar mit ihrer Stifterin, Herzogin Wera von Württemberg, verbunden. Ihr ist es zu verdanken, dass sich seit dem Jahr 1913 zu Füßen der Villa Berg ein eindrucksvoller Kirchturm im neo-romanischen Stil erhebt. Herzogin Wera schenkte der Kirchengemeinde ein vor dem Park der Villa Berg gelegenes Grundstück, auf dem dann eine am 24. September 1899 eingeweihte „Wanderkirche“, ein einfacher Holzbau errichtet wurde. Zehn Jahre danach, 1909, entschloss sie sich, diese „Wanderkirche“ durch ein von ihr gestiftetes repräsentatives Gotteshaus, für das sie den Namen Heilandskirche wählte, zu ersetzen. Am 21. Juni 1911 gab sie das folgende urkundlich verbriefte Stiftungsversprechen: „Ich habe mich entschlossen, zur Ehre Gottes und in dankbarem Gedenken an all die ungezählten Wohltaten und Begegnungen, die mir im Lauf von bald 50 Jahren in dem mir zur Heimat gewordenen Württemberg zuteil geworden sind, auf einem durch den Kirchengemeinderat der Stadt Stuttgart auf dem Gelände der Villa Berg zu erwerbenden Bauplatze aus meinen Mitteln eine Kirche zu erbauen und dieselbe dem Gesamtkirchengemeinderat der Stadt Stuttgart zu schenken. (…) Möge dieses Gotteshaus mit dem daranliegenden Gemeinschaftssaal (…) dienen zur Ehre Gottes und zur Verbreitung Seines lebendigen Wortes, zur segensreichen christlichen Anleitung unserer Jugend, der Zukunft unseres Landes, und dem Aufbau des kommenden Reiches Jesu Christi“. Auf den Tag 50 Jahre nachdem Herzogin Wera nach Württemberg gekommen war und genau zwei Jahre nach Beginn der Bauarbeiten wurde am 2. Dezember 1913 die neue Kirche eingeweiht. Ebenso der Gemeinschaftssaal, der nach dem Willen der Stifterin von nun an den Mitgliedern der Altpietistischen Gemeinschaft zur Verfügung stand. Mit der Einweihung der Heilandskirche gab es nun im Stuttgarter Osten aber nicht nur ein neues Gotteshaus, sondern einen zusätzlichen Kirchenbezirk. Zu ihm gehörten auch das Karl-Olga-Krankenhaus und das Diakonissen-Mutterhaus der Olgaschwestern. Nach Paul Gölz kam 1923 Adolf Löbich als Pfarrer an die 5000 Glieder starke Heilandskirche. In dessen erstes Amtsjahr fiel das zehnjährige Jubiläum der Kirche, das mit einem feierlichen Konzert am 2. Dezember 1923 begangen wurde. Löbich folgte schon im Sommer 1925 Pfarrer Edward Klöß. Am 11. Dezember des selben Jahres wurde der neu erbaute Kindergarten, die „Stöckachpflege“, eingeweiht. In ihm konnten nun Kinder in drei verschiedenen Altersgruppen betreut werden. Im Jahr 1928 wurde das Pfarrhaus fertig gestellt und nebst angebautem Konfirmandensaal eingeweiht. Die Heilandskirchengemeinde besaß nun alles was zur äußeren Struktur einer Kirchengemeinde gehört: einen Pfarrer mit eigenem Pfarrhaus, genügend Räumlichkeiten für Gottesdienste, Kinder- und Jugendgruppen und sonstige kirchliche Kreise. Dass diese Möglichkeiten auch vielfältig genutzt wurden und sich eine tatkräftige Gemeindearbeit etabliert hatte, zeigt ein Blick in den „Kirchlichen Wegweiser“ aus den späten 20er-Jahren. Er verzeichnet neben den obligatorischen Sonntagsgottesdiensten zahlreiche regelmäßige Veranstaltungen wie Kinderkirche, Jugendgottesdienst, Bibelstunde, Kirchenchor, Frauennähkreis und die Versammlung der Altpietistischen Gemeinschaft. Eine eigens eingerichtete Krankenpflegestation war seit 1926 durch Schwester Anna Schlotterbeck und danach von 1928 bis 1934 durch Schwester Gertrud Steudel besetzt. Die Arbeit dieser „Gemeindeschwestern“ wurde durch Gemeindegelieder unterstützt, die sich zum „Krankenbesuchsverein“ zusammengeschlossen hatten. Waren die vergangenen 15 Jahre also hauptsächlich durch Gemeindeaufbau, ansteigende Gemeindegliederzahlen und regen Baubetrieb bestimmt, beeinflusste der politische Umbruch der 30er Jahre auch die Arbeit der Heilandskirchengemeinde zusehends: „Die Beflaggung aus den Fenstern wurde immer röter und wechselte 1933 ohne Schwierigkeiten über Nacht (…). Die Kirchengemeinde hat nichts anderes zu sein als mitten im Wandel und Vergehen Wegzeichen zur bleibenden Heimat.“ (Aus einem Bericht von Pfr. Klöß) Diese Wegzeichen setzten in den folgenden Jahren vorallem die 1931 in ihr Amt eingeführte Gemeindediakonin Hanna Solleder, die ab 1934 in der Krankenpflegestation in der Werderstraße tätige Gemeindeschwester Gertrud Handte, der am 31. Oktober 1938 als Nachfolger von Edward Klöß investierte Pfarrer Gustav Oehler sowie die Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen der Heilandskirche am 2. Dezember 1938, die mit mehreren Veranstaltungen begangen wurde. Am 21. Februar 1944 fiel die Stöckachpflege, der Kindergarten, einem Luftangriff zum Opfer. Von nun an fand die Kinderbetreuung im Konfirmandensaal statt. Ein halbes Jahr später, am 12. September 1944, wurde der an die Kirche angebaute Gemeinschaftssaal von einer Fliegerbombe getroffen und ging in Flammen auf. Den verheerenden Bombenhagel am Abend des 19. Oktober 1944 überstand auch die bis dahin unbeschadete Heilandskirche nicht mehr unversehrt: Kirche, Pfarrhaus und sämtliche Gebäude der vom Kirchplatz sternförmig ausgehenden Straßenzüge brannten lichterloh. Dessen ungeachtet rettete der Mesner in einer mutigen Aktion die aus dem Einweihungsjahr 1913 stammende Altarbibel mit der Widmung des Königspaares. Lediglich der Kirchturm hatte dem Angriff getrotzt und stand wie ein zum Himmel weisender Finger inmitten der Trümmer. Auch der Konfirmandensaal war relativ verschont geblieben. Nach dem Krieg zählte die Gemeinde, die Ende der 30er-Jahre fast 6000 Gemeindeglieder hatte, nur noch einige hundert. Mit Eugen Vollmer kam 1946 wieder ein eigener Gemeindepfarrer an die Heilandskirche. Ihm zur Seite stand nach wie vor Gemeindehelferin Solleder, die im Mai 1952 von Hanna Rieß abgelöst wurde. Bis November 1946 konnte der Konfirmandensaal soweit repariert werden, dass er forthin der Gemeinde für die Gottesdienste zur Verfügung stand. Auch die Aufbauarbeiten am zerstörten Pfarrhaus gingen mit dem Richtfest am 3. März 1949 in die letzte Runde. Es konnte im Dezember des selben Jahres bezogen werden. Im Oktober 1949 entschloss sich die Gesamtkirchengemeinde Stuttgart, in den Ruinen der Kirche eine kleine „Notkirche“ zu errichten. Ende 1949 begannen die Bauarbeiten, am 2. Juni 1950 war Richtfest und am 3. Dezember 1950 wurden die Notkirche und deren neue Orgel eingeweiht. Im Prinzip schienen die Folgen des Krieges spätestens damit überwunden, dass die Turmuhr der Heilandskirche im Herbst 1951 wieder in Stand gesetzt worden war. Nach sieben Jahren des „Schweigens“ schlug am 5. September 1951 erstmalig wieder die letzte aus dem Krieg verbliebene Glocke – genau um 18.00 Uhr. Schließlich wurde am 17. Mai 1953 eine zweite, und am 2. Juni 1957 die dritte Glocke geweiht. Angesichts der vielfältigen Gemeindearbeit der mittlerweile wieder auf ca. 3000 Glieder angewachsenen Gemeinde, beschloss schließlich im Juli 1960 der Verwaltungsausschuss der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart, einen Architektenwettbewerb zum Wiederaufbau der Heilandskirche auszuloben. Anfang Oktober 1962 wurde die Notkiche, am 31. März 1963 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Richtfest wurde am 19. Juli 1963 gefeiert, die Einweihung der neuen Heilandskirche folgte am 31. Mai 1964. Im Andenken an die Stifterin der Kirche wurde festgelegt, dass der erste Raum nach dem Eingangsportal den Namen „Herzogin-Wera-Raum“ trägt.
Kirchengemeinde
Heilandskirchengemeinde
Sickstraße 41
70190 Stuttgart
0711 264371
0711 9239054
hoch@heilandskirche-stuttgart.de
www.heilandskirche-stuttgart.de
Landeskirche: Württemberg
Kirchenbezirk: Stuttgart

Bildquelle/Urheberschaft
Foto: Michael Durwen